Arge Arge,…

Agentur für Arbeit (Arge) – in Deutschland wohl ähnlich beliebt wie die Deutsche Bahn AG. Aber Moment mal – Ich bin ein riesen Fan von der Deutschen Bahn, die mich regelmäßig zügig und sicher durch ganz Deutschland fährt. Also dachte ich mir, wenn sich halb Deutschland über die Bahn aufregt, die ich absolut toll finde und halb Deutschland sich über die Arge aufregt, dann sollte ich doch nach einer einfachen Logik die Arge auch toll finden. Aber leider, leider ist dem heute nicht so. Es ist vielmehr so: Die Mitarbeiter am Telefon machen regelmäßig die tollsten Versprechungen bezüglich eines Gründungszuschusses und animieren den Anrufer förmlich dazu alles stehen und liegen zu lassen um möglichst noch heute zur Arge zu fahren, denn die Gründung steht ja kurz bevor und vor Ort steht angeblich immer ein Mitarbeiter zur Verfügung, der extra dafür da ist, wenn jemand ohne Termin vorbei kommt, man solle sich nur nicht abwimmeln lassen. Soviel zur Theorie.

Dort angekommen fühlt man sich in ein anderes Zeitalter versetzt, so stelle ich mir ein Amt vor, hier werden noch Regeln befolgt, hier herrscht noch Disziplin und die lautet wie folgt „Isch Alles, du Nix.“. Schon beim Eintreten spüre ich verachtende Blicke – „Wieder so ein Schmarotzer“. Mit meinem Master-Studium in Wirtschaftsinformatik in der Tasche und mit Projekt-Aufträgen bis Ende März sollte dieser Besuch doch ein Kinderspiel werden. Also ab zur Infotheke und ja nicht abwimmeln lassen, so wie es die Frau am Telefon gesagt hat: „Hallo, Mathias Fogel mein Name, ich bin hier um mich bezüglich eines Gründungszuschusses beraten zu lassen.“ Antwort: „Oh, das sieht heute sehr schlecht aus, wir sind völlig unterbesetzt, am Besten Sie kommen morgen wieder.“ Hier ist schon das erste Beispiel wie sehr sich Theorie und Wirklichkeit unterscheiden. „Ich hatte bereits telefonisch angerufen und man sagte mir, ich solle mich nicht abwimmeln lassen.“. Nach mehrmaligem Hin- und Her hatte ich also doch noch eine Wartemarke bekommen.

Ich werde wohl erst in der Zukunft erfahren ob es einen Unterschied zwischen Arbeitsvermittler und Arbeitslos-Registrierenden-Mitarbeitern gibt, aber jedenfalls hat der Mitarbeiter, zu dem ich dann nach etlicher Wartezeit mit dem ein oder andere Freak im Warteraum durchgedrungen bin, lediglich meine Daten aufgenommen und darauf hingewiesen, dass sich in den nächsten Tagen jemand telefonisch bei mir melden wird. Auf diesen Anruf würde ich wahrscheinlich heute noch warten, wenn ich mich nicht eine Woche später selbst wieder durch sämtliche Instanzen von der Telefonzentrale bis zu einem Ansprechpartner durchgekämpft hätte. Der Mann war sehr vewundert über das Vorgehen seines Kollegens und bat mich noch am selben Tag bei der Agentur für Arbeit vorbeizukommen. Loop-Schleife geht jetzt wieder alles von Vorne los!? Das Telefonat endete mit den Sätzen „…in den nächsten Tagen wird sich jemand telefonisch bei Ihnen melden.“. So ist es dann tatsächlich geschehen, einige Tage später, ich war schon längst selbständig und hatte eigentlich keine Hoffnung mehr, dass es mit dem Gründungszuschuss noch was wird, hat sich eine Dame bei mir gemeldet und mir Telefon-Arge mäßig wieder alles blaue vom Himmel versprochen. Wir können alles noch nachträglich rückdatieren, alles kein Problem, ich solle einfach die darauffolgende Woche um 9:15 Uhr vor Ort vorbeikommen. Mit Anzug, Lebenslauf und voller Motivation habe ich mich dann an dem besagten Tag auf den Weg gemacht. Kurz vor der U-Bahnhaltestelle nochmal kurz aufs Handy geschaut – Mailbos 7:50 Uhr „Der Termin muss aus organisatorischen Gründen leider abgesagt werden, ein Ersatztermin wird Ihnen per Post zugesandt.“

Ich fasse nochmal kurz zusammen: Bei meinem ersten Telefonat wurde mir versprochen, dass ein Arbeitsvermittler vor Ort ist, zu dem ich mich einfach penetrant durchfragen soll. Mittlerweile sind mehr als drei Wochen vergangen und ich habe jetzt die Information auf meiner Mailbox, dass ich auf einen Termin warten soll, der mir per Post zugesandt wird, um dann einen Antrag für einen Gründungszuschuss zu stellen, für eine Gründung die dann warhscheinlich schon zwei Monate zurückliegen wird. Deshalb meine Überschrift: Arge, Arge,… – Klar, hätte ich mich auch früher drum kümmern können, allerdings frage ich mich woher die ganzen Versprechungen kommen. Scheinbar gibt es die sadistische Abteilung der Telefon-Mitarbeiter, die den Kollegen vor Ort einee unmöglich abzuarbeitende Anzahl von Terminen aufdrückt und die leidtragenden sind die Kunden, aber die sind wahrscheinlich in der Logik der Arge arbeitslos und verfügen somit über unendlich Zeit. Zeit habe ich mir jetzt genommen um diesen Beitrag zu verfassen und etwas Frust abzulassen, aber Zeit habe ich eigentlich ganz und gar nicht im Überfluss und schon gar nicht um mich stundenlang in irgendwelche Freak-Wartezimmer zu setzen oder in der Dauerschleife am Telefon festzuhängen.

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